Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.

Die Organisation für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Agrarbereich

Grashüpfer statt Kühe?

Ergebnis-Vorstellung eines zukunftsweisenden Projektes des vlf Waldkirchen-Grafenau

Am 28.06.2017 präsentierte der vlf Waldkirchen-Grafenau am Gymnasium in Freyung unter Moderation von Frau Barbara Zethner (Schulleiterin) die Ergebnisse des zukunftsweisenden Projektes „Grashüpfer statt Kühe“. Mit der Idee von Dr. Sebastian Pauli (Vorsitzender des vlf Waldkirchen-Grafenau), eine Alternative zur Grünlandverwertung über Insekten als Eiweißquelle für Hühner und Schweine zu finden, wurde das Projekt vor über einem Jahr ins Leben gerufen.

vlnr: Barbara Zethner (Schulleiterin Gymnasium), Peter Sammer (Sparkasse Freyung), Renate Cerny (stellv. Landrätin), Helmut Knaus (BGM Phillipsreut), Eduard Schmid (BGM Hohenau), Dr. Sebastian Pauli (vlf), Hans Döringer (Kreisobmann), Elke Binder (Kreisbäuerin), Maria Gassner (TUM), Alina Wohlschläger (TUM), Corinnna Miller (TUM), Prof. Klaus Reiter (LfL), Dr. Brigitte Paulicks (TUM) (Copyright: vlf Waldkirchen Grafenau)

vlnr: Barbara Zethner (Schulleiterin Gymnasium), Peter Sammer (Sparkasse Freyung), Renate Cerny (stellv. Landrätin), Helmut Knaus (BGM Phillipsreut), Eduard Schmid (BGM Hohenau), Dr. Sebastian Pauli (vlf), Hans Döringer (Kreisobmann), Elke Binder (Kreisbäuerin), Maria Gassner (TUM), Alina Wohlschläger (TUM), Corinnna Miller (TUM), Prof. Klaus Reiter (LfL), Dr. Brigitte Paulicks (TUM) (Copyright: vlf Waldkirchen Grafenau)

Nach der Begrüßung der Ehrengäste und dem Grußwort des vlf-Landesvorsitzenden Hans Koller, der die Wichtigkeit der Bildungsaufgabe des vlf`'s darstellte, präsentierten die Forscher der Technischen Universität München (TUM) in fünf Referaten den über einhundert interessierten Gästen die Ergebnisse des Projektes. Im Referat von Corinna Miller (TUM) wurde gezeigt, wie geeignete Insekten für die Mast auf Grassubstratbasis identifiziert wurden. Frau Miller machte deutlich, dass nur eine begrenzte Zahl der knapp 26000 in Bayern vorkommenden Insektenarten verwendet werden können. Größe, Ernährungsweise, Lebensweise oder Schutzstatus der Tiere wurden hier entsprechend berücksichtigt. Die ausgewählten Insektenspezies wurden von Maria Gassner (TUM) in einem Fütterungsversuch mit Gras, Silage und Heucops gemästet und der Zuwachs festgestellt. Bei den Heuschrecken konnte beispielsweise bei Verfütterung mit Gras ein Lebendmassezuwachs von knapp 300 % in 29 Tagen festgestellt werden. Andere Versuchsreihen mit Mehlwürmern in Grassilage verliefen nicht zufriedenstellend – das Gesamtgewicht der Gruppe verringerte sich über die Mastzeit. Frau Gassner schloss mit dem Fazit, dass Insektenmast mit Grasprodukten möglich sei. Dr. Brigitte Paulicks zeigte in ihrem Vortrag die Chancen und Grenzen von Insekten als Futtermittel auf. Sie ging dabei auf die wesentlich höhere Mastleistung bei Verwendung von Getreide in der Insektenmast ein und verwies auf die begrenzte Fähigkeit der Insekten faserhaltige Substrate zu verdauen. Neben der Betrachtung der rechtlichen Situation von Insekten als Tierfutter, erläuterte Frau Dr. Paulicks (TUM) auch mögliche unerforschte hygienische Risiken bei der Verfütterung von Insekten an Nutztiere (Krankheitsübertragung, Allergene). Das Verhalten und die Biologie, sowie die daraus abgeleiteten Haltungsbedingungen wurden von Herrn Prof. Dr. Klaus Reiter (LfL, TUM) in einem spannenden Vortrag vorgestellt. Als Herausforderung in der Insektenhaltung wurde der hohe Temperaturbedarf der Tiere festgestellt. Abgeleitet vom natürlichen Verhalten der Tiere wurde die Haltung von mehreren Tausend Larven in einer Box von der Größe eines Schuhkartons als artgerecht eingestuft. In einer weiteren Präsentation wurde der Nährstoffgehalt von Insekten konventionellen Futtermitteln gegenübergestellt. Frau Alina Wohlschläger (TUM) konnte in ihrer Studienarbeit zeigen, dass beispielsweise der Aminosäuregehalt der untersuchten Insektenspezies dem von Sojaextraktionsschrot (einem gängigen Eiweißfuttermittel) sehr ähnlich ist. Lediglich Fischmehl hat einen höheren Gehalt an Aminosäuren. Das Fazit dieser Arbeit: „aus analytischer Sicht sind die untersuchten Insekten aufgrund der ermittelten Nährstoffgehalte als Futtermittel geeignet“. Dies wurde im Vortrag von Frau Dr. Paulicks an Hand der in der Literatur gefundenen Fütterungsversuche bestätigt. Alle Ergebnisse wurden im neuen vlf Magazin zusammengefasst, das in den nächsten Tagen durch die Geschäftsstelle des Landesverbandes bayernweit an die Kreisverbände des vlf's verteilt wird. Dr. Sebastian Pauli schloss die Veranstaltung mit dem Resümee, dass auf Grund der noch schwachen Zuwächse bei den Insekten weiterer Forschungsbedarf bei der Identifizierung von geeigneten Insektenarten sowie dem Design eines passenden Futtermittels auf Grasbasis für die Insektenmast besteht.

Imagefilm Hauswirtschaft I
Imagefilm Hauswirtschaft II
vlf-Seite im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt