
Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.
Organisation für Aus-, Fort-, und Weiterbildung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im gesamten Agrarbereich
Zu diesem Thema lud das SG 2.3 T vom AELF Abensberg-Landshut gemeinsam mit dem vlf Bayern und dem vlf Bezirksverband Niederbayern Mitte Dezember zum 2-tägigen Intensivworkshop nach Seebach (Deggendorf) ein.
Prof. Dr. Volker Krömker, Institut für Veterinär- und Tierwissenschaften, Universität Kopenhagen Foto: Florian Scharf
Nach einer kurzen Begrüßung von Josef Groß (Geschäftsführer vom vlf Bezirksverband Niederbayern) führte Florian Scharf (SG 2.3 T AELF Abensberg-Landshut) auch gleich ins Thema ein. Eine gute Übersicht über die Eutergesundheit im Betrieb liefert der Blick in den Q-Check im LKV-Herdenmanager! Hier sind die wichtigsten Kennzahlen zusammengefasst und auch im grafischen Vergleich dargestellt.
Die sechs wesentlichen Eutergesundheitszahlen in der MLP sind:
Eutergesunde Tiere: % < 100.000 Zellen/ml, Neuinfektionsrate Laktation, Neuinfektionsrate Trockenperiode, Unheilbar euterkranke Kühe (3 x >700.000 Zellen/ml), Heilungsrate Trockenperiode und Erstkalbinnenmastitisrate (% Erstkalbinnen > 100.000 in 1. Milchkontrolle).
Dann übernahm mit Prof. Dr. Volker Krömker der erste Referent, ein absoluter Eutergesundheitsspezialist. Gleich zu Beginn, bei der Vorstellung der verschiedenen Mastitis-Erreger wurde intensiv diskutiert. Hier wären z.B. die Mykoplasmen zu nennen. Die gibt es eigentlich auf allen Milchviehbetrieben, führen aber eher zu Kälberkrankheiten (Atemwegserkrankungen). Es wird aber oft unterschätzt, dass bei schlechter interner Biosicherheit die Mykoplasmen durch den Menschen ins Euter kommen. In einer Untersuchung konnte an über 80% von Overallsäumen von Herdenmanagern und Tierärzten Mykoplasmen nachgewiesen werden. Ein Tropfen Speichel, z.B. durch ein nuckelndes Kalb reicht aus. Kommt man dann damit an eine Zitze, ist die Gefahr das Euter zu infizieren enorm hoch. Bei den Eutergesundheitszahlen war dem Referenten v.a. die Neuinfektionsrate in der Trockenperiode wichtig. Hier sieht er bei vielen Betrieben Verbesserungspotential. In den ersten Tagen der Trockenstehzeit und während des Aufeuterns ist die gefährlichste Zeit. Entscheidend ist es auf ausreichende Hygiene zu achten. Bei Ställen mit Stroheinstreu, das an sich fürs Tierwohl positiv zu bewerten ist, darf am Stroh nicht gespart werden! Als Richtwerte nannte Dr. Krömker mind. 10 kg Stroh / Kuh und Tag!

Thomas Englhard, ehemaliger Fütterungsreferent Sachsen-Anhalt, Versuchszentrum Iden. Foto: Florian Scharf
Am zweiten Tag Stand die Fütterung im Mittelpunkt. Hierzu war mit Thomas Englhard ein absoluter Spezialist in Sachen Trockensteherfütterung eingeladen worden. Ein entscheidender Punkt in der Fütterung der Trockensteher ist die richtige Körperkondition zum Trockenstellen und dass diese dann in der Trockenstehphase auch gehalten wird. Kühe, die in den der zweiten Laktationswoche hohe ß-Hydroxybutyrat-Gehalte im Blut aufweisen (Ketose), sind meistens eher „zu fett“ trockengestellt worden. Dies sind dann aber auch meist Kühe, die lange Zwischentragezeiten hatten. Sie wurden in der Vorlaktation nicht tragend. Der Schwerpunkt lag dann im Folgenden auf der Milchfieber-Propylaxe! Milchfieber oder auch Festliegen bezeichnete der Referent als eine sog. „Torweg-Erkrankung“, sprich, diese öffnet den anderen Erkrankungen, wie z.B. Ketose, Gebärmutterentzündungen oder eben auch einer Mastitis das Tor in die Kuh. Kern der Milchfieber-Prophylaxe ist die Förderung der hormonell gesteuertem Ca-Absorptions- und Resorptionsprozesse an Darm und Knochen, sowie in der Niere im geburtsnahen Zeitraum.
Englhard nannte einige wesentliche Einfluss- bzw. Prophylaxe Faktoren:
Genetik (tierindividuell, ggf. Rasse),
Alter,
Laktationsnummer,
Körperkondition/BCS,
Start-/Einsatzleistungen,
Futteraufnahmen zur Kalbung und zum Laktationsstart,
Fütterung/Ration,
P-Gehalt,
DCAB (Ziel: metabolische Azidose),
angepasster Ca und Mg-Gehalt
Im Weiteren wurde das Konzept der moderaten DCAB vorgestellt. Dabei wird der DCAB-Wert der Ration durch die Auswahl passender Futtermittel (besonders der Grundfuttermittel) so gut es geht auf ca. 100 – max. 150 meq / kg TM eingestellt. Bei Bedarf kann mit „angesäuerten“ Mineralfutter nachgesteuert werden. Was aber dabei nicht vergessen werden darf: Der Ca-Gehalt der Ration sollte dann aber in einem Bereich von 6,0 – 7,0 g / kg TM eingestellt werden. Spätestens hier wurde klar: Ohne eigene Mineralstoffuntersuchung der eingesetzten Silagen geht da nix!
Florian Scharf