
Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.
Organisation für Aus-, Fort-, und Weiterbildung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im gesamten Agrarbereich
Was tun, wenn plötzlich der Strom ausfällt? Wenn Wasser knapp wird, Lieferketten unterbrochen sind oder Naturereignisse die Versorgung erschweren? Szenarien, wie länger andauernde Strom- oder Wasserausfälle, Naturkatastrophen, Quarantänesituationen oder Lieferengpässe sind keine bloße Theorie. Eine funktionierende Ernährungsnotfallvorsorge gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Mit diesem Thema beschäftige sich ein Online-Vortrag mit Elke Messerschmidt, Kompetenzzentrum für Hauswirtschaft, im Rahmen der Vortragsreihe Hauswirtschaft im Trend des vlf und VLM Bayern.
Zuständigkeiten klar geregelt – Eigenverantwortung bleibt entscheidend
Je größer eine Katastrophe, desto mehr Stellen sind eingebunden. Die Gesamtkoordination im Katastrophenfall liegt beim Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. Für die Ernährungsnotfallvorsorge ist in Bayern das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELFT) zuständig, unterstützt wird es durch die Bezirksregierungen und Ämter auf Kreisebene.
Gleichzeitig gilt: Vorsorge ist auch Privatsache. Jede Bürgerin und jeder Bürger trägt Verantwortung für eine angemessene Vorratshaltung im eigenen Haushalt. Staatliche Strukturen können unterstützen – sie ersetzen jedoch nicht die individuelle Vorbereitung. Wenn heute ein Notfall eintreten würde, wie gut wären Sie darauf vorbereitet?
Die „Clevere Kiste“: Vorrat mit System
Überprüfen, ob Ihre Vorräte für den Notfall ausreichen würden, können Sie z.B. über den Vorratskalkulator des Bundes für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unter www.ernaehrungsvorsorge.de
Das StMELFT gibt über die „Clevere Kiste“ Tipps zur privaten Vorratshaltung. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Ein Notvorrat sollte mindestens für drei Tage, idealerweise für zehn Tage ausreichen. Entscheidend ist, dass die Lebensmittel:
Dazu gehören etwa haltbare Konserven, Zwieback, Knäckebrot, Haferflocken, H-Milch, Nüsse, Kekse, eingekochtes Obst oder getrocknete Früchte, Dauerwurst oder Dauerbrot. Ebenso wichtig ist ein ausreichender Wasservorrat – sowohl zum Trinken als auch für grundlegende Hygiene.
Was außerdem in keinem Haushalt fehlen sollte
Neben Lebensmitteln empfiehlt sich eine Grundausstattung für Notlagen:
Weiterführende Informationen bietet unter anderem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das auch Empfehlungen für einen Notfallrucksack bereithält.
Stromausfall: Wie lange hält der Gefrierschrank?
Ein zentraler Punkt der Vorratshaltung ist der Tiefkühlschrank. Doch was passiert bei einem Stromausfall? Solange die Temperatur im Gefriergerät unter etwa minus 5 bis minus 8 Grad Celsius bleibt, stellen Bakterien ihr Wachstum weitgehend ein. Wie lange diese Temperatur gehalten wird, hängt von Energieeffizienz, Füllstand und Umgebungstemperatur ab. In der Regel kann ein geschlossenes Gefriergerät die Temperatur 12 bis 24 Stunden halten. Wichtig: Türen möglichst geschlossen halten.
Dauert der Stromausfall länger als einen Tag, können die Temperaturen kritisch werden. In diesem Fall gilt:
Um Verderb vorzubeugen, können Lebensmittel – sofern eine Kochstelle vorhanden ist – rechtzeitig zubereitet oder haltbar gemacht werden, etwa durch Trocknen von Brot.
Informationen zum korrekten Kühlen finden Sie hier.
Vorräte klug anlegen und pflegen
Ein Notvorrat sollte nicht statisch im Keller stehen, sondern regelmäßig genutzt und erneuert werden. Eine dynamische Vorratshaltung mit dem Prinzip „first in first out“ sorgt dafür, dass ältere Produkte zuerst verbraucht werden. Darüber hinaus lohnt es sich, traditionelle Konservierungsmethoden wieder stärker zu nutzen: Einkochen, Trocknen, Säuern, Milchsäuregärung, Einlegen in Alkohol, Salzen oder Zuckern verlängern die Haltbarkeit auf natürliche Weise.
Individuelle Situation berücksichtigen
Jeder Haushalt sollte sich fragen:
Die persönliche Lebenssituation bestimmt maßgeblich, welche Vorsorgemaßnahmen sinnvoll und notwendig sind.
Wissen stärken – Bewusstsein schaffen
Anfang des Jahres findet regelmäßig eine bundesweite Aktionswoche zur Notfallvorsorge statt. Die Resonanz ist jedoch häufig stark abhängig von aktuellen Ereignissen – etwa größeren Stromausfällen oder Naturereignissen, wie sie zuletzt verstärkt öffentlich diskutiert wurden.
Neben Informationskampagnen spielen praktische Angebote eine wichtige Rolle. So bieten beispielsweise Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz Kurse zum „Kochen ohne Strom“ an und vermitteln Kompetenzen zur Lebensmittelkonservierung.
Langfristig stellt sich die Frage, wie das Thema stärker in Bildungsangebote integriert werden kann – etwa in Fach- und Berufsschulen. Denn Vorsorge ist keine Frage der Panik, sondern der Vorbereitung.
Wer heute klug plant, bleibt auch im Ernstfall handlungsfähig.