
Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.
Organisation für Aus-, Fort-, und Weiterbildung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im gesamten Agrarbereich
Zu viel Arbeit, zu viele Sorgen, zu wenig Austausch: Viele landwirtschaftliche Familien stoßen an ihre Grenzen. Die SVLFG unterstützt in belastenden Situationen – anonym, unkompliziert und nah am Alltag. Der Online-Vortrag im Rahmen der Online Reihe Hauswirtschaft im Trend mit Adelheid Perzl von der SVLFG gab ein Einblick auf Hintergründe, Herausforderungen und konkrete Hilfsangebote.
Über vielen landwirtschaftlichen Betrieben hängen Wolken. Nicht eine – viele. Da ist die Grundwolke der Arbeitsüberlastung: lange Tage, kaum Pausen, Verantwortung rund um die Uhr. Dazu ziehen weitere auf. Ein Unfall, und plötzlich fehlt eine Arbeitskraft. Eine Krankheit, die die ganze Familie mitträgt. Steigende Kosten, aber keine höheren Erlöse. Und mittendrin Konflikte – zwischen Generationen, zwischen Partnern, oft unausgesprochen, aber spürbar jeden Tag. Wenn Menschen in dieser Situation zum Telefon greifen, fallen Sätze wie: „Ich kann nicht mehr.“ Oder: „Ich habe die Freude an meinem Betrieb verloren.“
Am anderen Ende sitzt kein Callcenter, sondern ein kleines Team der SVLFG. Echte Menschen, die zuhören. Vertraulich, anonym, ohne Bewertung.
Eine von ihnen ist Adelheid Prezl. In der Vortragsreihe „Hauswirtschaft im Trend“ des vlf und VLM Bayern sprach sie darüber, was passiert, wenn alles zu viel wird – und genau das erlebt sie täglich am Telefon.
Viele Anrufende zögern lange. Scham spielt eine große Rolle – besonders bei Männern. Die Frage „Gibt es noch mehr wie mich?“ kommt häufig. Die Antwort ist: ja. Denn selten ist es nur eine Belastung. Es sind viele kleine Dinge, die sich über Jahre aufstauen. Ungeklärte Aufgabenverteilungen. Fehlende Wertschätzung. Ein Schreibtisch voll mit ungeöffneten Briefen. Finanzielle Sorgen, die immer größer werden. Pflegesituationen, die Kraft rauben. Oder eine Trennung, über die niemand spricht.
Wer anruft, wird ernst genommen. Zuhören ist der erste Schritt. Und oft der Wichtigste.
Darauf baut Unterstützung auf: eine Krisenhotline, rund um die Uhr erreichbar. Und längerfristig bei Bedarf ein telefonisches Coaching, das schnell startet – ohne Wartezeiten, ohne Praxisbesuch. Direkt vom Hof aus. Schritt für Schritt geht es darum, wieder Luft zu bekommen, Gedanken zu sortieren und Entscheidungen treffen zu können.
Das Ziel ist nicht, alle Probleme sofort zu lösen. Sondern die Wolken zu lichten – Stück für Stück. Denn Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist der Moment, in dem sich etwas verändern kann.