
Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.
Organisation für Aus-, Fort-, und Weiterbildung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im gesamten Agrarbereich
Das Thema „Altern“ trifft uns alle. „Im Grunde sind wir uns aber gar nicht so einig, was man unter Alter(n) versteht“, so Referentin Martina Jakubek. Der 36. unterfränkische Frauentag des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) stand in diesem Jahr ganz im Zeichen dieses Themas – und wie wir in einer sich wandelnden Gesellschaft gut miteinander leben können. Im Freilandmuseum Fladungen begeisterte Martina Jakubek, Sozialpädagogin und Supervisorin der evangelischen Landeskirche, mit einem Vortrag über Altersbilder, Einsamkeit und Generationenbeziehungen.
v. links Klaudia Schwarz Behördenleiterin AELF Schweinfurt, Marina Eltschka Frauenvorsitzende des vlf Bezirksverbandes Unterfranken, Sarah Gormley Volontärin, Linda Wolters M.A. stellvertr. Museumsleiterin Fränk. Freilandmuseum Fladungen, Niklas Hertwig, Leiter Fränk. Freilandmuseum Fladungen Foto: Jacqueline Köhler, AELF Schweinfurt
Wie wir Altern wahrnehmen – und warum das wichtig ist
Wie wir das Alter wahrnehmen, entspricht meist nicht ganz der Wirklichkeit, sondern ist beeinflusst durch unsere eigenen Bilder, Erfahrungen und Emotionen. Was assoziiere ich mit dem Begriff „neu“, „jung“, „alt“? Oft unbewusste negative Vorstellungen schränken die Sichtweise ein. Unreflektierte, eigene innere, Bilder wirken vielfach subtil „Du in deinem Alter!“ oder „Für dein Alter siehst du doch noch gut aus!“ und verursachen damit Altersdiskriminierung. Wäre es nicht schöner und altersunabhängig zu sagen. „Du siehst gut aus!“ oder „Deine Geschichte beeindruckt mich!“, so die Referentin.
Generationen im Wandel – Verständnis statt Konflikte
Ob Hochaltrige, Babyboomer oder Generation Z: Jede Altersgruppe bringt eigene Interessen und Werthaltungen mit. Die Referentin plädierte dafür, vermeintliche Konfliktlinien zu hinterfragen und sich bewusst in die Perspektive anderer hineinzuversetzen. Jüngere sehen das Alter eher defizitär. Aber trotz altersbedingter Veränderungen zeigt die Forschung: Menschen im höheren Lebensalter erleben oft eine hohe Lebenszufriedenheit und setzen stärker auf das Wesentliche. Ziele und Aufgaben werden realistischer eingeschätzt und der Fokus auf das Wohlbefinden im Hier und Jetzt richten.
Einsamkeit ist Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels
Der Mensch kann einsam sein, auch wenn er unter vielen Menschen ist. Andererseits muss ein Mensch, der allein lebt, nicht einsam sein. Einsamkeit sei kein exklusives Thema des Alters, so Jakubek. Digitalisierung, Homeoffice, der Wegfall lokaler Treffpunkte und der Rückgang von Verwandtschaftsbeziehungen führten insgesamt zu weniger sozialen Kontakten. Weltweit werden künftig, so dass Max-Planck-Institut, die Verwandtschaftsbeziehungen voraussichtlich um 35 % zurückgehen. D.h., dass jeder Mensch weniger verwandtschaftliche Kontakte hat als früher. Pflege zu beanspruchen, bedinge häufig mehr Scham gegenüber Freunden als gegenüber der eigenen Familie.
Mit der Aufgabe, das eigene Beziehungsnetzwerk zu skizzieren, gab die Referentin den Teilnehmerinnen ein Werkzeug an die Hand, eigene soziale Beziehungen zu reflektieren und zu stärken. Mit wem könnte ich meine Sorgen teilen? Wen kann ich nachts anrufen? Bin ich mit meinem Beziehungsnetz zufrieden oder möchte ich was ändern? Solche Fragen können als Impulse für intensive Gespräche dienen, in der eigenen Familie genauso wie im Seniorenkreis.
Sonderausstellung macht Wandel der Frauenrollen sichtbar
Am Nachmittag bot das Freilandmuseum Einblicke in die Sonderausstellung „Landwirtschaft im Umbruch – Frauenrollen neu gedacht“. Biografien von Bäuerinnen aus „20 Jahre Bäuerin als Unternehmerin des Jahres“ wurden historischen Rollenbildern an den dortigen Hofstellen gegenübergestellt. Museumsleiter Niklas Hertwig und seine Stellvertreterin Linda Wolters zeigten, wie sich das Bild der Bäuerin vom selbstverständlichen, oft unsichtbaren Rückgrat des Hofes hin zu sichtbaren Unternehmerinnen entwickelt hat. Der Wettbewerb des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus macht diese Entwicklung sichtbar mit eindrucksvollen Beispielen weiblichen Unternehmergeists.
Nachzuhören sind die Biographien und Interviews der Preisträgerinnen unter:
Klaudia Schwarz