Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern e.V.

Die Organisation für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Agrarbereich

Nachhaltige Bewirtschaftung von Böden - im Dialog zwischen Praxis und Grundlagenforschung

Eine gemeinsame Veranstaltung des vlf Bayern und des Hans Eisenmann-Zentrums, Zentralinstitut für Agrarwissenschaften der Technischen Universität München

Ziel der Veranstaltung war es, Praktiker und Wissenschaftler bzw. angehende Praktiker und angehende Akademiker ins Gespräch zu bringen. Das Thema bot sich im internationalen Jahr des Bodens an, aus der jeweiligen Perspektive beleuchtet zu werden. Für die Praktiker ist es dabei wichtig, dass über dieses Thema nicht nur akademisch diskutiert wird, sondern der Beitrag von Seiten der Praxis dargestellt wird, wie auch ihre Belange und Schwierigkeiten in der Bewirtschaftung zur Sprache kommen. Die Veranstaltung, die Ende Oktober in den Räumen des Hans Eisenmann-Zentrums in Freising-Weihenstephan stattfand, zeigte deutlich, dass es befruchtend und hilfreich ist miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Landwirte konnten aus ihrer Erfahrung heraus Fragen an die Wissenschaft schicken, wo sie Bedarf an Antworten haben. Die lebhafte Diskussion zwischen den Referenten und Zuhörern, Praktikern, Studierenden, Lehrern, Beratern und wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie auch Professoren zeigte, dass ein solcher Austausch richtig und wichtig ist. Eine Fortsetzung ist geplant.

Referenten und Mitwirkende der gemeinsamen Veranstaltung des vlf und des Hans Eisenmann-Zentrums (v. li.: Hans Koller, Dr. Isabell Schneweis-Fleischmann, Prof. Dr. Hans Jörg Vogel, Robert Brandhuber, Thomas Mirsch, Tim Meier, Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Max Stadler, Claudia Luksch und Ludwig Scheininger (Bild: HEZ/TUM)

Referenten und Mitwirkende der gemeinsamen Veranstaltung des vlf und des Hans Eisenmann-Zentrums (v. li.: Hans Koller, Dr. Isabell Schneweis-Fleischmann, Prof. Dr. Hans Jörg Vogel, Robert Brandhuber, Thomas Mirsch, Tim Meier, Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Max Stadler, Claudia Luksch und Ludwig Scheininger (Bild: HEZ/TUM)

In seinem Einführungsvortrag sprach Prof. Heißenhuber von den betriebsinternen und -externen Effekten als Folge von falscher Bodenbearbeitung. Daraus resultierende Handlungsreaktionen sind unterschiedlich, je nach Betroffenheit und Wahrnehmung wie auch Zuordenbarkeit. Aus Sicht der Gesellschaft ist oft der Landwirt als Handelnder verantwortlich und muss daher mehr Aufmerksamkeit dem Bodenschutz zukommen lassen. In der Plenumsdiskussion wurde von Seiten der Praktiker angemerkt, dass es leicht ist zu fordern, aber das Handeln der Endverbraucher sich anders zeigt. Letztendlich ist es eine Preisfrage zu welchen Bedingungen der Landwirt erzeugen kann.

Ludwig Scheininger und Tim Meier, beide praktizierende Landwirte zeigten sehr anschaulich, wie sie versuchen mit dem Boden nachhaltig umzugehen. Mit dem Einstieg in die Biogasproduktion haben sich für Scheininger die Anforderungen an den Boden gravierend geändert. Er musste reagieren, um Degradierung und Bodenerosion entgegen zu wirken. Gezielte Grasuntersaat und wechselnde Feldfrüchte sowie Mulchsaat beim Mais verbessern die Bodenfruchtbarkeit und diese mindern die Abschwemmung wertvoller Bodenbestandteile wie Humus und Feinboden.
Im Hackfruchtbau fehlen nach Aussage von Tim Meier noch erhebliche Praxiserfahrungen bezüglich Mulch- und Direktsaat. Insbesondere im Kartoffelanbau gibt es massive Bodeneingriffe während der Pflanzung und Ernte. Erosion, Degradierung und Devastierung sowie zunehmende Wetterextreme stellen besondere Ansprüche an die Bewirtschaftung. Meier pflanzt daher verstärkt die Kartoffeln in Mulch- und Direktsaat. Ergänzt mit einem professionellen Zwischenfruchtanbau als Grundlage hat sich dies bei nassen wie auch extrem trockenen Bedingungen bewährt. Offene Fragen gibt es aber trotzdem bei Düngung, Schädlingsdruck und Krankheiten, die es zu klären gilt. Dazu bedarf es wissenschaftlicher Erhebungen, die für die Praxis unmittelbar nutzbar sind, eine Aufforderung, die an die Wissenschaft gerichtet ist.
Andererseits hat die Mulch- und Direktsaat im Kartoffelbau deutliche Verbesserungen hinsichtlich Befahrbarkeit, Tragfähigkeit, Luft- und Wasserhaushalt im Boden bei entsprechender Wirtschaftlichkeit gezeigt.

Aus der Beratungspraxis konnte Max Stadler, Fachzentrum Agrarökologie des AELF Pfaffenhofen /Ilm, sehr anschaulich aufzeigen, was es bedeutet auf Bodengesundheit zu achten. Seine Kernaussage ist, dass die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit Voraussetzung für eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft ist. Dabei ist sie konfrontiert seitens der Landtechnik mit immer größeren und schwereren Maschinen bei gleichzeitiger Zunahme von Wetterextremen. In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage, wie die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu fördern ist. So demonstrierte er anschaulich mit einem kurzen Film, welche Bedeutung der Reifendruck auf den Boden hat. Klar ist, Straßendruck ist nicht Ackerdruck. Das kann Auswirkungen auf betriebliche Abläufe haben bis hin zum Management Gülle von der Grube bis zum Acker.

Die angewandte Forschung, so Robert Brandhuber vom Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz der LfL, generiert Wissen für die Akteure, die sie für ihre Entscheidungen und Anwendungen benötigen. Akteure sind neben den Landwirten auch Berater und politische Entscheidungsträger. Da Böden langsam auf Bewirtschaftungsänderungen reagieren, in der Regel Forschungsprojekte kurzfristig angelegt sind, ist es wichtig Langzeitversuche und Bodenmonitoring über längere Zeiträume zu haben.

Das Wort für eine interdisziplinäre Bodenforschung sprach Prof. Hans Jörg Vogel vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle. Er sagte, dass trotz enormer Wissensfortschritte in den einzelnen Fachdisziplinen Bodenphysik, -chemie, und –biologie, die komplexen Wechselwirkungen und somit die Dynamik der Bodenfunktionen nicht verstanden werden und Antworten auf Nutzungsstrategien nur unzuverlässig gegeben werden können. Er betonte den systemischen Ansatz der Agrarwissenschaften. Nur so können Antworten auf die fundamentalen Fragen gefunden werden, um das Verstehen zu verstärken.
Prof. Vogel koordiniert das kürzlich gestartete Forschungsprojekt  BonaRes (Boden als nachhaltige Ressource), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für neun Jahre gefördert wird und mit 10 Verbundprojekten sowie 49 beteiligten Forschungsinstitutionen die deutsche Bodenforschung für eine nachhaltige Bodennutzung zusammenbringt.

Die Präsentationen der Vorträge finden Sie hier:

Prof. Dr. Dr. A. Heißenhuber:  Der Boden - die Grundlage einer nachhaltigen Wirtschaftsweise

L. Scheininger Bodenbewirtschaftung im Biogas-Betrieb

T. Meier:  Bodenbewirtschaftung im Hackfruchtbetrieb

M. Stadler: Aktuelle Fragen in der landwirtschaftlichen Praxis

R. Brandhuber:  Was kann angewandte Forschung zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Böden beitragen?

Prof. Dr. H.J. Vogel:   BonaRes Zentrum für Bodenforschung  - Grundlagenforschung für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung

Imagefilm Hauswirtschaft I
Imagefilm Hauswirtschaft II
vlf-Seite im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt